Katzenfrau.de Kurzgeschichten und Märchen

Vom spontaner Selbstentzündung betroffen zu sein ist wunderbar. Egal wie alt, weise oder dumm wir werden (oder sind), ein normal funktionstüchtiger Mensch beherrscht immer perfekt diese Fähigkeit, unerwartet die Kontrolle über gewisse Reflexe und Reaktionen zu verlieren.

So muss das auch sein. Irgendwie. Wer nicht versteht, warum wir damit besser dran sind, als wenn wir routinierte Roboter wären, dem ist eh nicht zu helfen: Das ist dann ein Fall für den TÜV.

Die Flammen kümmern sich nicht um Logik, Ort oder Zeit. Oder vielleicht doch? Der Wahnsinn muss Methode haben, denn ein Schema ist erkennbar. Was auch immer die Natur sich da zur Sicherstellung genetischer Vielfalt zusammengemixt hat, es ist hochexplosiv und folgt uralten, primitiven Riten. Ein gar nicht so junger Bekannter von mir beichtete in einem schwachen Moment, dass er schwer spätpubertierend (und inbrünstig singend) des Nachts Garten und Haus seiner Angebeteten umkreist hatte und immer wieder schmachtend den Zaun umklammerte, hinter dem sie von ihm träumte.

Sie musste ja irgendwie von ihm träumen, hatte sie doch ihn und nicht ihren Freund auf der Fete letztes Jahr kurz ihren Cocktail halten lassen, um sich andeutungs-hingebungsvoll die Haare zu bürsten. Direkt vor seiner schmachtenden Nase. Wenn das keine tiefere Bedeutung hatte, was dann?

Wer jetzt nicht spöttelt oder nur wissend schmunzelt, war sicher schon mal an jenem Ort zwischen Raum und Zeit zu Hause (oder zu Besuch), an dem sämtliche Eingeweide sich in einen süß schmerzenden Ball aus Sehnsucht verwandeln und zusammengerollt in den Unterleib versacken, um dort ein anhaltend subtropisches Klima zu erzeugen.

Schmetterlinge? Dass ich nicht lache. Flammensümpfe trifft es besser, neudeutsch auch «fire swamps». Das Hirn leistet Schwerstarbeit bei der Fahrt auf der brennenden Achterbahn. Kein leichter Job, die wenigen nicht infizierten Zellen auf den Schienen zu halten und gegenzusteuern, wo es gerade noch machbar ist. Einzig und allein Alltagsroutine, erlernte Benimmregeln (und Ängste) pressen das Opfer in eine für Mitmenschen erträgliche Form. Reagiert das Objekt der Begierde gar noch in noch so geringster Weise positiv, indem es beim Popeln gewinnend lächelt oder nicht sehr oft wegsieht, dann ist eh alles zu spät.

Ja, so ist das wohl. Und nur wer noch nie aus tiefstem Herzen schmachtete, darf hier das erste Käsebrötchen werfen. Ich also sicher nicht. Unvergessen meine Leidenschaft für Captain Future, dessen Soundtrack mich heute noch sanft erröten lässt. Wir trafen uns nicht oft, und auch wenn ich das Gefühl hatte, dass ich durch Ein- und Ausschalten des viereckigen Kastens die Frequenz der Begegnungen fast bestimmen konnte, so war er doch nie wirklich greifbar. Er hatte sein Leben, und ich meins. Ich wusste fast nichts von ihm, kannte ihn kaum. Und doch ... und doch. Es gab Momente, in denen ich ihm bedingungslos (und fast besinnungslos) bis ans Ende des Universums gefolgt wäre. Alles, woran ich denken konnte: An diese breiten Schultern sinken, die Nasenflügel einatmend an der Uniform reiben - und von großen Händen sanft, aber unerbittlich festgehalten werden. Ohne Zögern hätte ich meine Galaxie verlassen und wäre damit zufrieden gewesen, während der Umrundung von Planeten Nahrung in Tuben zu pressen und feuerfeste Unterwäsche zu bügeln, die Comet in Schuss zu halten und Yiek und Oak zu füttern.

Denn ich weiß, ich wäre myriadenfach entschädigt worden, wann immer der Autopilot die Steuerung übernommen hätte und die restliche Besatzung im Hyperschlaf gewesen wäre. Sein Führungsstil war so durchschaubar, die Gesten arg verräterisch. Auch das vollendete Benehmen, das knabenhafte Lächeln, die klassischen Gesichtszüge und der klare Blick konnten mich nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser atemberaubende Mann eine Frau mit Sicherheit in allen Lebenslagen genussvoll zu nehmen wusste.

Manchmal, auf einem fremden Planeten und mitten im Kampf gegen die Mächte der intergalaktischen Finsternis, sah er mir direkt in die Augen, mit allem Wissen um die Abgründe menschlicher Seelen im Blick unter den buschigen Brauen. Ich kannte ihn ja (noch?) nicht wirklich, aber ich war überzeugt: Wären wir je alleine gewesen, er hätte mich zugeritten, bis ich ihm die Sterne vom Himmel geschrieen hätte. Ich spürte, er war es, der Herrscher über meine Planeten, Genlieferant für lauter kleine Captains und Der Eine. Der Einzige. Der Prinz der Dunkelheit und zugleich der Fackelträger. Es kam mir so logisch vor und beinah unausweichlich. Genau genommen weiß ich heute noch nicht so genau, wieso es nie so weit kam.

Ist ja auch egal jetzt. Jedenfalls bin ich mir durchaus darüber im Klaren, dass diese glotzäugige Joan auch da rumhing, aber ich wollte das damals nicht wahrhaben. Selbstentzündung halt.

Es ist die eine Sache zu erkennen, dass der schöne Sternenkrieger inzwischen ein alter Mann Ende Dreißig ist und vermutlich eine Stirnglatze mit einer Beamtenlaufbahn und literarischen Ambitionen kombiniert, während eine kullerköpfige Liliputanerblondine sein Weibchen ist und schon wegen der Ableger pflichtliebend bei ihm bleibt. Und die andere ... zu wissen, dass nicht viel fehlte und ich hätte mich heimlich in die Raumschiff-Garage geschlichen, nur um das Ding mal anzufassen (die Comet, nicht was Ihr jetzt denkt).

Hätte der nette Curtis, denn so heißt der Captain, auch noch so was wie E-Mail, Handy oder andere fast unkontrollierbare Kontaktmöglichkeiten gehabt ... man (ich) darf nicht mal darüber nachdenken.

Hach.


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