Katzenfrau.de Kurzgeschichten und Märchen

Schreigeschichten werden am besten geflüstert. Schreigeschichten sind nämlich Geschichten, die man Kindern erzählen kann, die dann aufhören zu schreien - weil sie unbedingt wissen wollen, wie es nun weitergeht.

Die Geschichte vom lila Frosch

Es war einmal ein kleiner dicker Frosch, der war nicht grün. Er war lila. Seine Mama hatte vielleicht zu viel Traubensaft getrunken oder das kleine Frosch-Ei aus Versehen in Farbe fallen lassen, man weiß es nicht. 

Jedenfalls war er lila und sehr stolz darauf.

Er hopste am Teichrand auf und ab und erzählte den anderen Fröschen, dass er der allerschönste von allen sei und zwar wegen seiner tollen Farbe: „Guckt nur, wenn die Kinder vorbeikommen. Früher haben sie gesagt ‚Da sind Frösche im Teich‘, aber jetzt sagen sie nur noch ‚Der Frosch da ist lila!‘ und das liegt daran, dass ich am Schönsten bin!“

Die anderen Frösche dachten darüber nach und fanden, dass er Recht hatte. Die Kinder guckten nur noch auf den lila Frosch. Früher hatten sie die Frösche sogar gezählt und ihnen beim Hüpfen zugeschaut und mitgehüpft. Das war nun leider vorbei.
Drei von den kleinen Fröschlein wollten sich nicht damit abfinden, dass nun alles anders sein sollte und überlegten sich was.

Der erste Frosch klebte sich von vorne bis hinten, von oben bis unten und von rechts nach links mit lila Stickern zu, die er gefunden hatte. Eigentlich waren es Briefmarken. Er klebte und klebte, bis er rundherum lila war. Dann kam seine Mama, schimpfte ihn aus und tunkte ihn in den Teich. Alle Sticker fielen ab.

Der zweite Frosch malte sich mit Farbe an, die von den Kindern auf der Wiese vergessen worden war. Er malte sich von links nach rechts, unten bis oben, von vorne bis hinten lila an, bis nur noch der Fuß übrig war, mit dem er den Pinsel festgehalten hatte. Frösche halten Pinsel voll Malfarbe nämlich mit dem Fuß fest.

Der echte lila Frosch schubste ihn in den Teich und sofort konnte man sehen, wie die ganze Farbe abgewaschen wurde und im Wasser landete, wo sie eine kleine lila Wolke bildete, die nur langsam wieder verschwand. Es blieb überhaupt keine Farbe auf dem zweiten Frosch haften.

Der dritte Frosch überlegte lange, wie er sich lila einfärben konnte. Dann hatte er eine tolle Idee. Und als er am nächsten Morgen zum Teich kam, fiel der lila Frosch vor Staunen fast vom Blatt. Auch die anderen kleinen Frösche waren überrascht und völlig fassungslos, aber bevor sie noch anfangen konnten zu diskutieren, kamen die Kinder aus dem Haus am Teich um die Ecke und riefen:

„Der Frosch da hat ein lila T-Shirt an! Das ist ja unsere Puppenkleidung. Guckt euch das mal an!“

Da hatte der dritte Frosch gewonnen.

Seitdem konnte jedes der Froschkinder der lila Frosch und der Schönste sein, weil jeder sich das violette T-Shirt vom Drittfrosch ausleihen durfte, wenn er das erlaubte. Das war auch ganz oft, denn die Puppenkleidung war nicht sehr bequem und störte beim Hüpfen.

Der Lilafrosch schmollte erst ein Weilchen, aber dann lieh er sich ein grünes Kleidchen von den Kindern auf der Wiese aus und wurde fortan der allerbeste Versteckspieler von allen, wenn die Froschkinder Verstecken spielten.


Frauen und andere Katzen
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