Katzenfrau.de Kurzgeschichten und Märchen

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, weniger als vier Wochen mögen es gewesen sein, eine Königin mit einem kleinen – aber feinen! - Königreich.

Die Königin umsorgte, hegte und pflegte alle Abläufe in ihrem kleinen Reich und wollte gerne für Ordnung und Sicherheit sorgen. Nicht die maßregelnde Sorte, bei der alle Gartenzäune gleich hoch und einheitlich gefärbt sein müssen und niemand schönere Blumen als die anderen haben darf, so wie die kleinen Geister im Nachbarland es hielten.

Sondern eine gute und geistig normale Ordnung, in der man sich entspannt wohlfühlt, weil nichts Wichtiges fehlt.

Die Königin hörte schon vor vielen Jahreszeiten durch wohlmeinende Elfen von einem Vertrag namens „Versicherung“, den man bei Zwergen abschließen konnte. Wir wissen ja alle, wie gut Zwerge mit Schätzen und Bargeld umgehen können und so tauschte sie fleißig Berge von Gold:

Versicherungen für den Prinzgemahl, die kleine Kaiserin und sich selbst, für alle Fälle von Krankheit und Unglück. Versicherungen für die königliche Kutsche, so alt diese auch schon war oder gerade deswegen, Bauherrinnenhaftpflichtversicherungen für fleißige Helfer beim Ausbau der Gemächer – dafür musste die Königin ein neues Wort erfinden lassen, denn es gab vorher nur Bauherren ohne -innen mit einem solchen Vertrag mit den Zwergen.

Sie versicherte nach sorgfältiger Überlegung stets alles, das man versichern konnte mit einer Ausnahme, für die es schon zu spät war, weil die Königin nicht mehr gesund genug dafür war. Aber das ist eine andere Geschichte und wird kein anderes Mal erzählt werden.

Auch das kleine, aber feine Königreich und das kleine feine Schloss   „versicherte“ die Königin und lebte fortan in dem Gefühl: Wenn es hier einmal stürmt, hagelt oder brennt, dann ist das zwar sehr schlimm. Aber danach kommt die Versicherung und hilft mir, schließlich habe ich viel Gold dafür bei den Zwergen gelassen.

Dann brannte das Schloss.

Niemand wurde getötet, ein großes Glück! Die Nebengebäude erlitten starke Beschädigungen und das kleine Schloss wurde vollständig zerstört.

Die Königin lief ohne Schuhe über dampfende Asche zu den Zwergen und rief nach der vereinbarten finanziellen Hilfe.

„Moment.“ sagte der erste Zwerg. „Da steht ja noch die halbe Außenwand. Dann kann es ja wohl so schlimm nicht sein, also bitte mal nicht so eilig.“

„Moment.“ sagte der zweite Zwerg. „Wir geben dir jetzt mal diese drei Goldmünzen, damit kommst du über ein paar Tage, und dann schauen wir mal. Viel Gold kriegst du jedenfalls nicht. Falls überhaupt.“

„Moment.“ sagte der dritte Zwerg. „Das wäre ja nicht das erste Schloss, das jemand selbst angesteckt hat, also mach hier mal nicht so einen Stress, Königin.“

„Moment.“ sagte der vierte Zwerg, mit dem Handy wedelnd. „Ich muss mal eben meinen Urlaub zu Ende buchen. Du kannst mit deinen 3 Goldmünzen ja auch erst mal verreisen, das machen viele Leute so nach einem Brand, die müssen mal raus und fahren dann auf die Affeninsel nach Spananien.“

„Moment.“ sagte der fünfte Zwerg. „Nun mal nicht so aufgeregt hier. Du kriegst von uns sowieso nicht, was vereinbart war, denn wir haben dir vorsichtshalber damals nur die halbe Beratung oder weniger verpasst, das zahlt sich für uns jetzt natürlich aus.“

„Moment.“ sagte der sechste Zwerg. „Wir warten jetzt sowieso erst mal zwei bis neunundvierzig Monate, bis der weise Mann von den Feuerbergen angereist kommt, der hat nämlich erst mal Urlaub und ohne dessen Freigabe geht gar nichts weiter, schon gar nicht Auszahlungen von Gold.“

„Moment.“ sagte der siebte Zwerg. „Wir warten jetzt eh mal ganz lange, und wir stellen uns schön stur, und irgendwann bist du so froh, dass du überhaupt ein Beutelchen Goldmünzen bekommst, dass du über den Vertrag gar nicht mehr nachdenkst.“

Das sagte er ganz leise, vielleicht auch nur zu sich selbst. Aber die Königin hatte gute Ohren, auch innen.

Sie stand vor den Zwergen und schaute in Richtung der sieben Berge und wäre vielleicht ein bisschen hingefallen oder hätte angefangen zu weinen oder auf kleinere Anwesende zu treten und sie etwas zu würgen.

Aber dafür hatte sie keine Zeit, denn die kleine Kaiserin stand vor dem verbrannten Schloss und fragte nach ihrer liebsten Puppe. Der Prinzgemahl musste dringend zu fernen Heilern gebracht werden und die Königin spürte eine schleichende Vergiftung durch fremde schlechte Gedanken, die ebenfalls einer Heilbehandlung bedurfte.

So teilte sie den Zwergen mit, dass sie sich schriftlich melden würde, sobald es ihr möglich war. Sie drehte sich um und ging zu ihrem Kind und kümmerte sich um sieben mal sieben mal sieben wichtige Dinge, um die man sich nach einem Schlossband kümmern muss und dann auch um einen kompetenten Zauberer, der auf Verhandlungen mit Zwergen spezialisiert war.

Das würde aber alles sehr lange dauern, das sagte man ihr gleich.

Anfangs ahnte die Königin noch nicht, dass sich überall in den Wäldern, auf den Feldern und in den Bergen rundherum bereits die allerbesten Zauberkräfte der ganzen Welt sammelten, um zur Hilfe zu eilen. Als sie es dann erfuhr, war sie sehr froh und dankbar.

Nie wieder würde die Königin glauben, dass eine Versicherung dafür da ist, ihr nach einem schlimmen Schaden sofort zu helfen. Die königliche Familie freute sich jeden Tag an ihrem Glück, dass niemand im Feuer gestorben war und wärmte sich die Herzen und den Herd an der hilfreichen Magie.

Was aus diesen sieben Zwergen wurde, wissen wir nicht. Sie wohnten im Nachbarland, wo alle Häuser einheitliche Vorhänge und sauber gefegte Einfahrten haben müssen und es ein vielleicht tödlicher Fehler wäre, sich für ein wichtiges Gespräch an einen fremden Küchentisch zu setzen oder einen besonders rotbackigen Apfel anzunehmen.

Diese Geschichte ist ja nur ein Märchen und alles ist ganz klar erfunden. Bis auf die Hilfe und die Helfer, denn die hat es tatsächlich gegeben.


Frauen und andere Katzen
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