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Oh Baby.

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Dornen.

Weihnachten 1990 dehnte sich endlos. Überstopft mit totem Federvieh und reichlich versorgt mit Updates für die Aussteuer und einer Überdosis Kunstharmonie vertrieb ich mir die Zeit damit, von meinem ehemaligen Kinderzimmer aus den Freunden in Düsseldorf telefonisch ein frohes Fest zu wünschen. Beim dritten Telefonat verwählte ich mich. Oder dachte das zunächst, denn am anderen Ende weinte ein Kind.

Walter hatte keine Kinder, genau genommen hatte Walter gar nicht viel außer einer bemüht nonchalanten Art und einer nicht psychosomatischen Erektionsstörung. Jedenfalls wohnte kein Kind bei ihm, da war ich ziemlich sicher. Also entschuldigte ich mich und legte leicht verlegen wieder auf, denn die Stimme am anderen Ende hatte in einer fremden Sprache geschluchzt und ich ahnte, dass das fremde Kind mich nicht verstanden hatte. Es kam mir unhöflich vor, aufzulegen. Aber was sollte ich tun.

Ich wählte die Nummer von Walter noch einmal, diesmal etwas sorgfältiger - und hörte wieder diese schniefende Person, die nicht Walter war. »Hello, who is speaking?« versuchte ich es auf Englisch und lauschte dem schweren Atem. »Is Mimi here. No eating - is Mimi alone.«

Das war kein Kind, das war eine Frau. Und sie war verzweifelt. Nach vergeblichem Radebrechen hin und her wurde mir klar, dass sie eigentlich gar kein Englisch sprechen konnte und dass sie Hunger hatte. Hunger! Außer dummen Frauen, die stolz darauf waren, ihn bewusst auszuhalten, hatte ich noch nie jemand Erwachsenen getroffen, der echten Hunger aus einer Not heraus hatte.

Ich murmelte Beruhigendes ins Telefon. »Mimi?« Vom anderen Ende kam ein »Jaaaa?« Ein unglaublich tiefes, heiseres Ja. »Are you in Walter’s Appartment?« - »Walter appartment jaaa! Mimi eating no!« - »Is Walter in the appartment?« - »Walter holiday go!«

~

Um bei dem starken Schneetreiben vom Emsland nach Düsseldorf zu fahren, würde ich mit viel Glück drei Stunden brauchen. Meine Mutter würde mir wahrscheinlich nie verzeihen, andererseits irgendwann wahrscheinlich doch. »Mimi, you wait. Tonight.« - »Tonight!« wiederholte sie mit fester, hoffnungsvoller Stimme und ich legte auf.

Was mich in Düsseldorf erwarten würde, wusste ich nicht, denn ich hatte die Wohnung von Walter nie gesehen. Wir kannten uns nicht wirklich gut, genau genommen hatte ich inzwischen nicht mehr die geringste Ahnung, warum ich ausgerechnet Walter frohe Weihnachten hatte wünschen wollen. Er hatte dann doch noch ein positives Alleinstellungsmerkmal, einen seltenen Nachnamen nämlich, mit Hilfe des Stadtplans im Telefonbuch fand ich seine Adresse sofort.

Die Gegend war nicht toll, aber damit hatte ich auch nicht gerechnet. Ich klingelte an der Tür und erwartete alles Mögliche. Aber ganz sicher nicht, dass ein winziger Wirbelsturm von Frau in einem weit und weich fließenden bodenlangen Ballkleid aus rotem Samt mir spontan um den Hals fallen würde, sobald die Tür aufging!

Da stand ich und kam mir so groß und blond und deutsch vor wie noch nie, während das kleine Bündel mit Gel in den dunklen Locken und Strass-Ohrringen mir schluchzend am Hals hing und »Dankä dankä« stammelte. Mimi war kaum größer als ein Kind. Sie hatte ihr schönstes Kleid angezogen, weil sie nicht wusste, wer da nun kommen würde und sie einen guten Eindruck machen wollte.

Der war auch bitter nötig. Die Wohnung von Walter war ein Dreckstall. Es sah überall so aus, als hätte seit Jahren niemand saubergemacht, hundert Generationen übereinander verkrusteter Tomatensaftspritzer in der Küchenzeile bestätigten dies. Nur eine Ecke wirkte so ähnlich wie sauber: Hier hatte Mimi sich ein Bettlaken ausgewaschen und über das Sofa gelegt. Den Rest des Apartments könnte ich zwar sehr wohl beschreiben und mir fehlen auch nicht die Worte, aber ich erspare es den mitlesenden Mägen lieber. Meiner ist schon recht belastbar und drehte sich doch zweimal, als er das Badezimmer sah.

~

Da saß ich also mit dieser winzigen Fee in dem weiten roten Ballkleid auf dem einzigen sauberen Fleck weit und breit und drückte ihr als erstes - wir Deutschen sind so praktisch - die mitgebrachte Futtertüte in die Hand. Sie musste großen Hunger haben, denn sie schlug direkt die Zähnchen tief in ein Honigbrot und futterte drauflos. Nach ein paar Bissen warf sie den Kopf zurück und lachte ein wildes, raues Lachen, das ich in den nächsten Tagen noch oft hören sollte. »Mimi eat! Carola dankä!«

Dieses unglaubliche Lachen der Mimi begann mit einem rauen Räuspern in ihrer Kehle und gurgelte sich den Weg durch mitreißende kleine und große Gluckser frei bis nach oben ins Tageslicht, wo es dann ausgelassen herumtobte und den ganzen Raum füllte. Mimi war eine verwunschene kleine Koboldprinzessin, die mir über die Weihnachtstage zugelaufen war - davon war ich schon nach der ersten heiseren Lachlawine fest überzeugt.

»Wo ist Walter?« Es war eigentlich nicht wichtig, ob ich nun Englisch oder Deutsch zu sprechen versuchte, Mimi verstand mich eigentlich mehr durch die Situation, in der sie sich befand und die naturgemäß Fragen aufwarf, als dadurch, dass sie viele Vokabeln konnte.

»Walter go holiday Gabriella! Walter many love Gabriella.« Genau genommen half mir diese Auskunft auch nicht weiter. Ich wusste jetzt nur, dass Walter wahrscheinlich nicht tot irgendwo an der Autobahn lag und dass Mimi wohl nicht die Frau in seinem Leben war, die sich mit der operablen Erektionsschwäche abplagen musste. Sondern Gabriella, wer auch immer das sein mochte.

»Mimi, where are you from?« Sie legte den Kopf schief und bot mir mein eigenes Honigbrot an. Reizend, aber irgendwie fand ich die Situation nicht ganz unkompliziert. Ich zeigte auf mich selbst mit teutonischen Handbewegungen »German, deutsch, tedesca« und sah sie fragend an.

Feierlich nickte sie und stand dann auf, um sich ebenfalls vorzustellen: »Maria Teresia - MIMI!« Ich konterte mit einem fuchtelnden Rundumzeig auf die Umgebung plus einem demonstrativem »Düsseldorf!« und wurde mit einem freudestrahlenden »Budapest!« belohnt. Ich hatte eine kleine Ungarin gefunden!

Einige Stunden und diverse Honigbrote mit Milch später wusste ich zwar immer noch nicht so genau, was eigentlich mit Mimi geschehen war und wieso sie hungernd in Walters Wohnung saß. Aber dass Walter und ein Freund sich aus dem Ungarn-Urlaub zwei Mädchen mitgebracht hatten und dass der Freund verschwunden war, während Walter mit der anderen Dame urlaubte, soviel hatte ich immerhin erfahren. Der Herr Urlaubsflirt von Mimi war ebenfalls mit ziemlicher Sicherheit keinem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, denn er hatte ihr ganzes Geld mitgenommen.

Mimi hatte bereits seit fünf Tage alleine gewartet und seit zwei Tagen nichts mehr zu essen gehabt. Sie hatte immer gedacht, er käme wieder. Oder Walter käme wieder. Es kam aber keiner. Und dann rief ich an. Was nun? Mimi, vergnügt und satt gefuttert, thronte in ihrem bauschigen Prinzessinnenkleid auf dem Sofa - sie hatte instinktiv begriffen, dass ich sie nicht einfach so zurücklassen würde, wie Walter und sein Freund es getan hatten.

Meine erste Überlegung war, Putzmittel und Lappen zu besorgen und Mimi zu helfen, die Wohnung in einen erträglicheren Zustand zu versetzen. Dann würde ich sie mit einem Vorrat an Essen versorgen und irgendwann musste Walter ja zurückkommen.

Wir haben es versucht. Aber ich musste mich übergeben, als ich die Badewanne genauer betrachtete ... und daraufhin habe ich Mimi dann zu verstehen gegeben, sie solle ihre Sachen packen und mitkommen. Was sie wohl von mir gedacht hat? Sie einfach so aus Walters Wohnung mitnehmen, aber vorher noch putzen, ausgerechnet.

Vielleicht hat sie auch gar nichts gedacht oder nur, dass die Deutschen ja bekanntlich sowieso spinnen, was Ordnung und Hygiene angeht. Ihr Gepäck bestand aus einer einzigen Tasche, wie hatte nur das Ballkleid auch noch dort hineingepasst? Oder war sie etwa in dieser blutroten Samtwolke aus Ungarn angereist gekommen? Inzwischen hielt ich fast alles für möglich. Auch, dass dieses fröhliche heisere kleine Wesen einfach mit dem Wind her geflogen war. Wie alt Mimi wohl sein mochte, 30 oder 35 Jahre alt?

Wie ich am nächsten Tag erfuhr, war sie vor wenigen Tagen 19 geworden. Aber an diesem ersten Abend waren wir beide zu erschöpft, um weiter gegen die Verständigungsschwierigkeiten zu kämpfen. Was ich vormachte, machte sie nach. Wenn ich in eine Richtung zeigte, trottete sie hinter mir her, kletterte ins Auto und folgsam meine Wendeltreppe hoch in meine Wohnung.

Ich füllte die Badewanne mit Schaum und Mimi und bezog das Schlafsofa, während sie leise singend einweichte und Walters Wohnung von sich abwusch. Als sich dann herausstellte, dass Mimis Gepäch aus nichts weiter als einer Sammlung von Unterwäsche, Strapsen und Mini-Kleidern sowie Mini-Minikleidern bestand, fand sich auch noch ein T-Shirt von mir, in dem sie bis zu den Knien versank.

»Gutt Nacht«, murmelte sie und schlief ein: Zusammengerollt und doch irgendwie hemmungslos.

~

Mimi schlief tief und fest, als ich mich frühmorgens auf den Weg in die nächste Buchhandlung und zum Bäcker machte. Aber als ich mit frischen Croissants und Wörterbüchern zurückkam, wirbelte sie bereits mit dem Staubsauger durch die Wohnung. Ich denke immer noch, dass sie wegen der vergeblichen Putzerei in Walters Wohnung angenommen hat, ich hätte einen hysterischen Putzfimmel und ein höflicher Gast müsse sich eben anpassen.

Wir frühstückten im Bett und ich gab ihr das ungarisch-deutsche Wörterbuch und zeigte ihr, dass ich ein deutsch-ungarisches hatte. Und dann machten wir uns an die Arbeit herauszufinden, wer wir eigentlich waren.

Mimi erklärte mit Hilfe ihres Wörterbuchs, dass sie in Budapest wohnte und arbeitete und dass sie ein Ticket für den 9. Januar hatte, um zurückzufliegen. Ein Sparpreis-Ticket, das man nicht umtauschen könne. Ich erklärte, dass ich bald wieder arbeiten müsse, vor dem 9. Januar schon,  und eigentlich immer noch ganz gerne wüsste, wie Mimi nun eigentlich nach Deutschland gekommen war. Als ein Nachbar anklingelte, erzählte Mimi prompt, wer sie besuchen würde, müsse auf dem Dudelsack spielen und es dauerte geschlagene fünf Minuten, bis ich herausgefunden hatte, dass sie damit meinte, ihre Freunde würden vor der Haustür hupen, statt anzuklingeln.

Daher hielt ich es auch für ein weiteres elementares Missverständnis, als Mimi auf die Frage nach ihrem Beruf antwortete, sie »tanze nackt in einem Käfig«. Aber es war natürlich keins. Der heisere kettenrauchende kleine Engel, den ich mir da über Weihnachten eingefangen hatte, war eine Striptease-Tänzerin und Prostituierte.

Obwohl Mimi aussah, als sei sie weit über 30, war sie doch gerade erst 19 geworden und hatte eine 4-jährige Tochter, die bei ihrer Mutter lebte. »My baby«, sagte sie und weinte, um gleich darauf wieder lauthals und lange zu lachen - vermutlich weil ich so geschockt aussah.

Mimi hatte sich in Walters Freund Antonio verliebt und die beiden Männer hatten natürlich nichts dagegen gehabt, sich für die Feiertage zum Nulltarif je eine Stripperin mitzunehmen. Und da war sie nun in Düsseldorf und konnte erst am 9. Januar zurück nach Budapest, denn das Geld für ein neues Ticket hätte ich ihr damals nicht geben können.

Antonio war verschwunden. Er hatte Mimis ganzes Geld mitgenommen und das aktuellste Problem war jetzt wohl die Kleidung, die sie dabei hatte, zumindest für mich. Denn einsperren wollte ich sie schließlich auch nicht.

Diese Frau besaß keine einzige Unterhose und als wir uns in dem unauffälligsten ihrer Minikleider aufmachten, um Klamotten zu kaufen, hielt sie mitten in der Fußgängerzone an, um sich den Saum unters Kinn zu klemmen und über ihrem kleinen Hinterteil die Strapse zurecht zu ziehen. Ich beförderte sie schleunigst in das nächste Kindermodengeschäft und stopfte sie in eine Jeans, denn sie war zu klein für Erwachsenengrößen.

Abgesehen davon, dass ich eigentlich noch ganz gerne ein paar Jahre in dieser Stadt weiterwohnen wollte, war es auch viel zu kalt für Spontanexhibitionismus. Ich habe Mimi ziemlich drastisch klargemacht, dass sie in ihren beiden Berufen urlauben müsse, wenn sie bei mir übernachten wolle und sie hat das auch eingesehen. Da saß sie dann neben mir im Café, in Kinderjeans und einem geringelten Pullover, und bis auf das völlig durchgelebte Gesicht sah sie so verspielt und süß aus wie ein Schulkind.

Ein Kind, das mit 14 Jahren von einem Soldaten vergewaltigt und schwanger geworden war und nun Nacht für Nacht in der Diskothek »Rendezvous« in Budapest nur mit Ketten bekleidet in einem Käfig tanzte. Mimi liebte das Leben, aber es war nicht gut zu ihr.

~

Die zwei Wochen mit Mimi waren atemberaubend. Wir gingen in meine Stammpizzeria im Nebenort und fanden heraus, dass ausgerechnet jene Kellner kurz zuvor Urlaub in Budapest gemacht hatten und Mimi wiedererkannten - die wohl aufgrund ihrer unverwechselbaren Lache und kindlich temperamentvollen Art als eine Art Geheimtipp galt.

Wir besuchten die damals noch halbwegs begehbare Düsseldorfer Altstadt und es stellte sich heraus, dass Mimi auch in den harmlosesten Klamotten zahlende Männer angezogen hätte wie eine Straßenlaterne die Motten - wäre da nicht dieses große deutsche Mädchen gewesen, die so gar nicht zu den Erwartungshaltungen passte.

Sie putzte und staubsaugte und lachte und tanzte und tobte. Dann schaffte sie es, einen ehemaligen Liebhaber in München anzurufen, als ich kurz nicht da war, und abends klingelte das Telefon. Ein großkotziger Jung-Yuppie teilte mir mit, er und sein Kumpel säßen im Porsche und wären unterwegs nach Düsseldorf, um »uns« über Nacht zu besuchen.

Ich teilte ihnen freundlich die Adresse eines größeren Hotels in der Nähe mit und überlegte, ob es nicht spätestens jetzt an der Zeit wäre, sich von Mimi zu trennen. Aber aus ihrer Sicht war es ja völlig in Ordnung, einen netten jungen Mann anzurufen, in den sie verliebt war. Ob das denn aus meiner Sicht anders wäre?

Ach Mimi, verglichen mit Dir kam ich vom Planeten Zork. Aber wie sollte ich das erklären, ohne ihr wehzutun? Lieber ließ ich die beiden dicklippigen und sich aufspielenden Ekelbrocken auf einen Kaffee herein, um die neuen Spielregeln zu erklären: Mimi kann machen, was sie will, aber wenn sie morgen Abend nicht wieder da ist, braucht sie gar nicht mehr zu kommen und fährt mit euch nach Hause. Und NEIN, ich gehörte nicht zum Service.

Die beiden Porscheschnösel, die leider jedes Klischee des sich blähenden Reichesöhnedeppen erfüllten, waren zwar verblüfft - marschierten aber brav ins Hotel. Die süße Mimi bebte wie vor einer ersten Verabredung, denn für sie war es ein tiefer und wahrhaftiger Liebesbeweis, dass der aufgeblasene Kotztyp extra von München hergefahren war. Für Mimi eine unvorstellbare Strecke. Sie zog das Ballkleid an und ließ sich von mir ins Hotel bringen, strahlend, glücklich. Und mir ging es schlecht.

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Am nächsten Morgen fuhr ich zum Frühstück ins Hotel, um Mimi wieder einzusammeln. In unserer ungarisch-englischen Geheimsprache konnten wir inzwischen fließend und für andere völlig unverständlich kommunizieren und sie erzählte mir strahlend, es sei so schön gewesen. So wunderschön. Er sei so lieb gewesen und habe sie nur im Arm halten wollen, um bei ihr zu sein. Gar kein Sex. Er wollte nur Mimi, nur Mimi im Arm halten und mit ihr reden.

Am Nebentisch saß »er« und unterhielt sich mit seinem ekelhaften Gegenpart über Mimis einschlägige Qualitäten. Die Fahrt von München nach Düsseldorf habe sich gelohnt, denn diese Nutte habe technisch wirklich alles drauf, was er sich erwartet habe.

Es hat mir so wehgetan für Mimi, dass sie sich ihre wunderbaren Momente selbst ausdenken musste. Nach der ganzen langen Zeit kann ich immer noch nicht ausreichend beschreiben, wie tief das geschmerzt hat. Nicht ihre kleine Lüge, sondern der Wunsch dahinter, dass er sie einfach nur als Mimi lieb haben sollte.

~

Als sie ein paar Tage später zurück nach Budapest geflogen ist, hatte Mimi sogar Unterwäsche an und mir vorher ganz ernsthaft in ihrem Kauderwelsch versichert, sie würde sich jetzt auch andere Kleider kaufen. Denn der subtile Sex von einem netten Kostüm hätte was Edleres an sich als der von Samtminikleidern, das müsse theoretisch noblere Kundschaft und ergo mehr Einnahmen bringen…. Außerdem hatte sie das riesige geringelte T-Shirt und meinen letzten Hundertmarkschein geschenkt bekommen und ich hatte dafür ein paar Brocken Ungarisch gelernt.

Mimi weinte und lachte zugleich beim Abschied und traf auf dem Weg ins Flugzeug bereits den ersten unternehmungslustigen Mann.

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Wochen später kam ein Brief voller leidenschaftlicher Kugelschreiberkleckse und ungarischer Wörter aus Budapest, mit einem Bild von Mimi in meinem T-Shirt mit Walter in ihrem Bett.

Dann lange nichts.

Anderthalb Jahre später das vertraute heisere Lachen auf meinem Anrufbeantworter: »Hallo, hier ist die Mimi…. ich bin in Österreich, ich bin jetzt verheiratet, ich kann doitsch sprächen… Es geht mir gut und dankä, immer dankä...«

Sie hat auch ihre Telefonnummer angegeben. Ich habe nie zurückgerufen.


Frauen und andere Katzen
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