Katzenfrau.de Kurzgeschichten und Märchen

Es war einer dieser Samstagmorgen, an denen ich hätte ausschlafen können, es aber nicht tat, nicht so richtig. Ich wanderte also verschlafen im Supermarkt durch die Gänge und überlegte, was ich nun alles in den Wagen schmeißen mußte, damit ich mindestens eine Woche lang nicht wiederzukommen brauchte.

Bei den Mangos griff ich dank eines schubsenden Teenagers knapp daneben und eine kleine Fruchtlawine rauschte mir um die Füsse. Bevor ich mich bücken konnte, hatte der nette Mönch neben mir alles schon wieder aufgesammelt.

Mönch? Ja, Mönch. So richtig mit Kutte, Gürtelstrick, geschorenem Kopf mit kahler Stelle in der Mitte, Mönchsbauch und Sünderlatschen. Keine Ahnung, wo der herkam!

Nun haben Mönche in etwa denselben Effekt auf mich wie Polizisten: Ich greife schuldbewußt nach dem Sicherheitsgurt, gucke jungfräulich und suche das Weite. In diesem Fall allerdings mußte ich mich zumindest bedanken und das tat ich dann auch. In sehr polnischem Deutsch freute er sich wortreich, daß er hatte helfen dürfen und ich konnte den Verdacht nicht unterdrücken, daß er von der roten Seidenwäsche wußte, obwohl das wirklich nicht sein konnte.

Die Unterhaltung sollte eigentlich gar keine werden, ich wäre lieber direkt geflohen und stellte fest, daß ich keine Ahnung hatte, wie man einen Mönch anredet. Eure Eminenz ist wohl Bischöfen vorbehalten. Herr Mönch klingt etwas unbeholfen, und was hätte ich getan, wenn es der Papst gewesen wäre?

Schlimmer allerdings ist, daß ich irgendwie das Gefühl habe, dieser Kerl hat gewußt, daß ich seit zweieinhalb Wochen jeden Tag stundenlang auf Bondage-Seiten im Internet lese. Ich habe sogar schon mit dem Gedanken gespielt, mir selbst so einen Sklaven zuzulegen, der die dämliche Hausarbeit übernimmt und in schwarzen Lederstrapsen unterm Trenchcoat das lästige Einkaufen übernimmt.

Moralische Bedenken habe ich natürlich keine, das wäre ja wohl noch schlimmer, wenn man nicht mal mehr ungestraft tagträumen kann.

Trotzdem packte mich angesichts dieses Bilderbuch-Mönchs irgendwie ganz kurz das schlechte Gewissen ob meiner katholischen Grundausbildung.

Dann fing ich an zu überlegen. Gibt es Gesetze oder kirchliche Einwände gegen Sklavenhaltung? Natürlich nicht die Sklavenhaltung im Kolonialstil. Sondern die Femdom-Sklaverei, wie wohl der Fachausdruck ist, zumindest der englische. Was bedeutet, ein Mann unterwirft sich einer Herrin. Aber eher nicht so, wie Showeinlagen bei Schreinemakers & Kollegen vermuten lassen. Sondern richtig.

Es ist natürlich auch etwas zum Kichern, zumindest wenn man nicht so veranlagt ist. Obwohl, ich wäre sicherlich eine gute Herrin, jawohl. (Freiwillige Hausdiener melden sich per Fax mit ausführlicher Qualifikationsbeschreibung.)

Jedenfalls würde ich das besser hinbekommen als den Eintritt in ein Kloster. Auch wenn es anscheinend freien Ausgang für kostümierte Mönche gibt, so ist es doch nicht sicher, daß das auch für alle Nonnen gelten würde.

Und dieser Mönch im Supermarkt hat eine Gedankenlawine in Gang gesetzt, das kann er eigentlich gar nicht verantworten - nämlich eine entschiedene Gegenreaktion. Ich gehe jetzt weiterlesen, was die schöne Akasha sich ausgedacht hat, um ihren Diener weiter auszubilden.

Es besteht das Risiko - oder es ist schon zu spät - daß diese Lektüre mein Sozialverhalten beeinflußt. Also hebt den Blick erst von diesem Blatt, wenn Ihr die letzte Zeile gelesen habt - oder ich werde Euch strafen, wie es sich gebührt ...

Samstag, der 11. Mai 1996


Frauen und andere Katzen
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Kurzgeschichten, Märchen und erotische Erzählungen.

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