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Wie sie ihn ansieht. Es verblüfft mich immer wieder, dass jemand den Mann so ansehen kann, der zu mir gehört. Als würde es mich nicht wirklich geben, als würde ich nicht neben ihm sitzen, als würde er meine Hand nicht halten.

Als sei ich unsichtbar, nicht relevant. Wie viel Egoismus gehört dazu, ihn so anzuschmachten und dabei völlig zu ignorieren, dass ich daneben sitze? Mit großen klaren Augen verfolgt sie jede seiner Bewegungen und sie leuchtet auf wie eine Kerzenflamme, wenn er das Wort an sie richtet oder sogar, wenn er sich nur zufällig in ihrer Nähe aufhält. Es ist ein seltsames Gefühl.

Natürlich, ich kann sehr gut verstehen, dass sie ihn liebt. Wer würde das nicht? Man muss ihn einfach lieben. Aber doch bitte nicht so. Mit diesem besitzergreifenden Blick dahin, wo es gar keinen freien Besitz zu ergreifen gibt.

Sie scheint zu denken, ein provokantes Schwenken der Hüften, ein paar Jahre weniger auf dem Buckel und schon wendet er sich ihr zu und ab von mir. Ich möchte sagen: “Glaubst du denn, ich würde ihn lieben, wenn er so wäre? Glaubst du denn, du selbst würdest ihn lieben, wenn er so wäre?” Aber ich schweige.

Denn es gibt nichts zu sagen. Er gehört zu mir und wäre sie nicht im selben Raum, er hätte wohl schon vergessen, dass es sie gibt. Ich kenne ihn. Er interessiert sich nicht für sie, nicht über ein normales Maß hinaus, das steht fest. Nur sie will das nicht wissen.

So schmachtet und sehnt sie und versetzt ihn und mich in die unangenehme Lage, das ignorieren zu müssen. Wenn man es denn ignorieren kann - letztens hat sie angefangen, sich im Gespräch dazwischenzuwerfen, was es nicht leicht macht, sie nicht zu beachten und an ihren Platz zu verweisen. Ich berührte ihn am Hals und schon fuhr sie dazwischen und uns ins Wort.

Eifersüchtig beobachtet sie mich mit ihm und wenn sie Einfluss auf die Sitzordnung nehmen könnte, ich müsste wohl im anderen Zimmer sitzen…. Es belustigt mich einerseits, aber es verärgert mich auch. Sie mag mich. Das weiß ich. Und das macht es ja so schwierig. Spreche ich mit ihm, muss ich den finsteren Blick erdulden. Spreche ich mit ihr, so biegt und dreht sie sich geschmeidig und will auch mir gefallen.

Kleine Freundin, such Dir Deinen eigenen Platz, auf seinem Schoß hast Du nichts verloren, wenn ich hier bin, möchte ich am liebsten sagen und ihr einen Schubs geben, der sie auf den angemessenen Abstand bringt. Will aber ihre Gefühle nicht verletzen und schweige, beobachte weiter und hoffe, dass es sich irgendwann so auflöst, wie es gekommen ist.

Es war ja nicht immer so extrem, sie scheint sich da in letzter Zeit fast bewusst hineinzusteigern. Ich warte also, ob es vorbeigeht. Bis dahin sieht sie ihn so an. Mit diesem heißen hungrigen Blick, mit dieser Sehnsucht, die er nicht erwidert. Sie sieht ihn auf diese bestimmte verliebte Art an: Als würde es mich nicht wirklich geben. Aber es gibt mich.

Eines Morgens stand sie hinter der Glastür und sah uns an, als wir uns liebten. Sie blieb einfach stehen und betrachtete uns. Wir wussten es, aber es kümmerte uns nicht - soweit kommt es noch, dass so eine eifersüchtige kleine Zicke uns stört! Danach beim Frühstück brannte ihr Blick noch tiefer, sie war gereizt und nahezu unausstehlich.

Da hätte ich es dann wohl tun müssen. Ich hätte sie einfach im Nackenfell hochnehmen und sagen müssen: “Miss Peppermint, so nicht. Du bist ein hübsches Kätzchen, aber eben nur eine Katze. Er ist mein Freund, meiner und nur meiner, und ich habe langsam wirklich keine Lust mehr, dauernd Deine Krallen zu spüren, nur weil das nicht in Deinen kleinen Schädel will!”


Frauen und andere Katzen
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