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Ladies First - keine Aufforderung zu irgendwelchen Höflichkeiten, auf die Mann gerade mal nicht von selbst kommt; kein emanzipatorischer Kampfschrei - sondern der Name des ersten Erotik-Shops nur für Frauen in Deutschland. Ein Geschäft, dessen Einrichtung, Geschäftsführung, Ware, Versandhandel und Beratung auf weibliche Kunden ausgerichtet ist. Vielleicht hat es also doch was mit Gleichberechtigung zu tun, dieses “Ladies First”? Obwohl Männer dort nur zu ganz bestimmten Zeiten hineindürfen und also ganz bestimmt nicht gleichberechtigt behandelt werden? Egal.

Warum gibt es das eigentlich, warum nicht einfach zu Beate oder Teresa marschieren, wenn man Ersatzteile, Aufrüstung, Ablenkung oder Glitschi-Flutschi braucht? Könnte daran liegen, daß die Inneneinrichtung in diesen besagten Läden aussieht, als hätten sich Dolly Dollar, Barbie und der Layout-Verantwortliche der Neuen Revue mit dem Enkel des Marquis de Sade zu einem tristen Happening zusammengetan.

Das Fleisch zahlloser Damen prangt auf Fotos, Postern, Videos und ‘Magazinen’, in jedem Winkel knallen einem diese fleischfarbene Ballons und halbrasierten Haarfetzen entgegen und in den Regalen liegen Dinge, bei denen man vielleicht ja doch beinahe mal fragen würde, was denn das nun ist oder wozu man es braucht. Braucht? Benutzt.

Woher ich das weiß? Nun, ich war natürlich gucken. Sonst könnte ich’s ja nicht beschreiben. In den Ecken drückten sich verschwitzte verschämte Typen herum, bei denen mich selbst mit den aufblasbaren Damen Mitglied überkam. Eine 18jährige kaugummikauende Verkäufertrine mit Betondauerwelle beriet einen puterroten Mittfünfziger über diverse Schwanzringe, so laut sie nur konnte.

Lieblos dekorierte Polyesterwäsche der satanischen Marke (billige transparente schwarze Spitze an höllisch geschmacklosem Rot) bildete einen künstlerischen Kontrast zu staubigen Fläschchen mit ‘Spanischer Fliege’ und anderen Mitteln, die bei heimlichem Schnüffeln verdächtig nach Insektenvernichtung rochen.

Meine Bekannte, die sich der Ohnmacht nahe möglichst dicht an den gesellschaftlich akzeptieren Kondomen aller Größen, Geschmacksrichtungen und technischen Eigenschaften aufgehalten hatte, zerrte mich am Pferdeschwanz aus dem Laden, gerade als ich die SM-Ecke entdeckt hatte. Dabei hätte ich die Handschellen sowieso nicht gekauft, die waren nicht mal richtig abzuschließen.

Abgesehen davon, daß ich jetzt bestimmt in der Hölle schmoren werde - spätestens wenn meine Mutter das hier liest - war es nicht mal richtig witzig. Anregend war es auch nicht: Anatomisches Staunen über den Angeber, der sein bestes Stück in Gummi nachfertigen (und dann wahrscheinlich um 40% vergrößern) ließ.

Leichter Ekel während des Quiz “Was macht man wohl damit”. Und eine Art brezeliges Erstaunen, daß um so eine schummrige Spelunke so ein Tamtam gemacht wird.

(Warnung: Wer beim Lesen des vorangegangenes Textes peinlich berührt zusammengezuckt ist, der/die sollte

a) nie zuhören, wenn gute Freundinnen sich unterhalten,
b) nicht traurig sein, es muß auch prüde Menschen geben - wozu eigentlich?
c) nicht unbedingt weiterlesen.)

Als der Erotik-Shop “Ladies First” also in diversen Talkshows auftauchte, durch die ich mich zappte, war ich von den eingeblendeten Bildern ziemlich positiv überrascht. Helle und luftige Räume, zwei locker daherplaudernde Geschäftsführerinnen und die Kameras zeigten auch keine Ansichten von an die Wand gefesselten Männern mit Erektionen. Obwohl es sicherlich Kundinnen geben würde, die nichts dagegen hätten.

Das war wirklich ein verblüffender Kontrast. Seit dem Besuch bei Beate U. hatte ich da noch die eine oder andere offene Frage. Und forderte mir den Versandhauskatalog von Ladies First an, der dann auch prompt kam, natürlich ganz neutral verpackt.

Erster Eindruck: Immer noch keine fleischlichen Abbildungen. Die kleine Broschüre sieht aus, als seie sie in schwere violette Seide eingeschlagen und auch die Ware wird auf den Fotos schlicht auf einer Unterlage aus Seide präsentiert. Fast geschmackvoll, man vergißt beinahe, daß die länglichen Dinger Vibratoren sind.

Endlich ‘lerne’ ich den Unterschied zwischen Vibrator und Dildo: Ersterer ist batterie-, letzterer handbetrieben. Warum kostet er dann fünfmal soviel?

Fragen über Fragen…. Widerlich die sogenannten ‘Madonnen’, kleine Frauenfigur-Vibratoren mit Gesicht, die einen Klitoris-Stimulator in Tierform auf dem Schoss halten und “Little Bear” oder “Pinguin” oder so heißen.

Mag ja sein, daß ein rotierender Vibrator was dolles ist, aber warum muß er ein Gesicht haben? Da verstehe ich schon eher die Bananenform oder den im Dunkeln leuchtenden Vibrator “Teaser”. Vielleicht bin ich auch bloß albern und nicht sehr praktisch?

Es ist lustig, das Heftchen durchzulesen. Die Vibratoren scheinen irgendwie so klein? Sind wohl doch realistische Abbildungen der erblühten Mannespracht, nix 30cm… Von sehr winzig bis 20cm sind alle Stärken, Farben und Formen vertreten.

Auch marmorierte Lippenstift-Imitationen, ‘Ladies Secret’.

Deutsch ist keine sehr erotische Sprache, es verwundert also nicht, daß 99% der Artikel englische Namen tragen. Teaser, Pleaser, Double, Triple, Intruder, Invader…. Es gibt diverse Ledergarnituren zum Umschnallen von Dildos, die mich mehr an ein Laufgeschirr für Kleinkinder erinnerten, aber spätestens ab der Kondom-Ecke ist auch wieder an alle gedacht.

Fazit: Wenn schon Sexshop, Verzeihung, Erotik-Boutique oder -Versand, dann lieber Ladies First als Beate Uhse. Bestellt habe ich zwar nix.

Aber es könnte schon noch passieren, denn wo sonst finde ich goldene Kondome mit Vanille-Aroma? Das perfekte Mitbringsel für eine selbstinszenierte Oskar-Verleihung.


Frauen und andere Katzen
Frauen und andere Katzen.

Kurzgeschichten, Märchen und erotische Erzählungen.

Taschenbuch mit Geschichten, die zum Teil auf katzenfrau.de veröffentlicht wurden.
(6,60 Euro - 104 S., online bestellen)